Weihnachtsgeschichten

Weihnachtsgeschichten · 2018/12/15
Auch die äussere Welt, mit ihren ewigen Gesetzen wie mit ihren flüchtigsten Erscheinungen, strahlt in tausend zarten und erhabenen Bildern gleich einem Zauberspiegel unseres Wesens Höchstes und Innerstes auf uns zurück. Welche aber den lauten Aufforderungen ihres tiefen Gefühles nicht gehorchen, welche die leisen Seufzer des gemisshandelten Geistes nicht vernehmen, an diesen gehen auch die wohlthätigen Bilder verloren, deren sanfter Reiz den stumpfen Sinn schärfen soll und spielend belehren.

Weihnachtsgeschichten · 2018/12/04
Rosmarin - Ina Jens. Wenn die Glocken am Sonntag zum Gottesdienste riefen und die Großmutter fix und fertig zum Kirchgang war, ging sie immer noch schnell in ein kleines Zimmer und holte sich ein Zweiglein Rosmarin, das sie sorgsam zwischen Taschentuch und Gesangbuch legte. Ich wunderte mich darüber jedesmal, und einmal fragte ich sie: »Großmutter, warum nimmst du denn immer nur so ein kleines grünes Zweiglein und nicht eine richtige Blume mit, wenn du in die Kirche gehst?«

Weihnachtsgeschichten · 2018/11/13
Rainer Maria Rilke - Kunstwerke. Vielleicht war es immer so. Vielleicht war immer eine weite Fremde zwischen einer Zeit und der großen Kunst, welche in ihr entstand. Vielleicht waren die Kunstwerke immer so einsam, wie sie es heute sind, und vielleicht war der Ruhm niemals etwas anderes als der Inbegriff aller Mißverständnisse, die sich um einen neuen Namen versammeln. Es liegt kein Grund vor zu glauben, daß es jemals anders war. . . .

Weihnachtsgeschichten · 2018/11/13
Vielleicht war es immer so - Rainer Maria Rilke. Vielleicht war es immer so. Vielleicht war immer eine weite Fremde zwischen einer Zeit und der großen Kunst, welche in ihr entstand. Vielleicht waren die Kunstwerke immer so einsam, wie sie es heute sind, und vielleicht war der Ruhm niemals etwas anderes als der Inbegriff aller Mißverständnisse, die sich um einen neuen Namen versammeln. Es liegt kein Grund vor zu glauben, daß es jemals anders war. . . .

Weihnachtsgeschichten · 2018/11/13
Siddhartha - Hermann Hesse. Als Siddhartha den Hain verließ, in welchem der Buddha, der Vollendete, zurückblieb, in welchem Govinda zurückblieb, da fühlte er, daß in diesem Hain auch sein bisheriges Leben hinter ihm zurückblieb und sich von ihm trennte. Dieser Empfindung, die ihn ganz erfüllte, sann er im langsamen Dahingehen nach. Tief sann er nach, wie durch ein tiefes Wasser ließ er sich bis auf den Boden dieser Empfindung hinab, bis dahin, wo die Ursachen ruhen, denn Ursachen erkennen . . .

Weihnachtsgeschichten · 2018/11/09
Erwachen - Hermann Hesse. Als Siddhartha den Hain verließ, in welchem der Buddha, der Vollendete, zurückblieb, in welchem Govinda zurückblieb, da fühlte er, daß in diesem Hain auch sein bisheriges Leben hinter ihm zurückblieb und sich von ihm trennte. Dieser Empfindung, die ihn ganz erfüllte, sann er im langsamen Dahingehen nach. Tief sann er nach, wie durch ein tiefes Wasser ließ er sich bis auf den Boden dieser Empfindung hinab, bis dahin, wo die Ursachen ruhen, denn Ursachen erkennen . . .

Weihnachtsgeschichten · 2018/11/07
Nun aber, lebe wohl, du weißt nun, was du zu wissen wünschtest. Der Mond steht hoch am Himmel. Dies ist die Stunde, in der ich dahin zurückkehren muß, woher ich gekommen bin. Mein Geheimnis geht mit mir, denn so steht es geschrieben auf der Tafel der Zeit ... Er glitt von dem Arme des Galgens herab und hing nun wieder an seinem Strick da. Ich stieg von der Leiter herab und verließ das Tal mit dem Galgen und dem Gehenkten, die von dem gespensterhaft grünlichen Scheine des Mondes beleuchtet wurde

Weihnachtsgeschichten · 2015/11/30
Es war einmal ein König, der hatte drei Söhne, davon waren zwei klug und gescheit, aber der dritte sprach nicht viel, war einfältig und hieß nur der Dummling. Als der König alt und schwach ward und an sein Ende dachte, wußte er nicht, welcher von seinen Söhnen nach ihm das Reich erben sollte. Da sprach er zu ihnen: "Zieht aus, und wer mir den feinsten Teppich bringt, der soll nach meinem Tod König sein." Und damit es keinen Streit unter ihnen gab, führte er sie vor sein Schloß, blies drei Federn