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Philosophische Texte zur Weihnachtszeit - Ludger Lütkehaus - Geschwenke
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Philosophie : Raum für Ideen von Ludger Lütkehaus

Beim Betrachten des Sternenhimmels gerät fast jeder ins Philosophieren. Der Philosoph Ludger Lütkehaus beschreibt, was bisher so alles gedacht wurde

Weihnachtszeit ist Lichterzeit. Die Kerzen an den Tannenbäumen erleuchten wohlgewärmte Innenräume. Ihr Schein spiegelt sich wider in den leuchtenden Augen nicht nur der Kinder. Über die Augen dringt er in die Tiefe der Herzen. Der Lichterschein der Weihnachtszeit erfüllt einen Raum der Innigkeit. Es gibt nur noch Nächste.

 


Wir treten nach draußen. Vielleicht ist es eine klare kalte Nacht. Wenn wir so weit gehen, dass wir die Kommerzgirlanden der Innenstädte hinter uns lassen, erblicken wir einen Himmel, in dessen Schwärze hier und da die Positionslampen eines Flugzeugs, weiter oben die rotierenden Satelliten ihre Leuchtspur einzeichnen. Darüber aber stehen unverrückt die Sterne. Wir haben eine ungefähre Vorstellung, wie weit entfernt sie von uns sind. »Lichtjahre« – die schöne Metapher erhellt die Abgründe des Raums, gemessen in einer überschaubaren Zeiteinheit. Wir spüren, dass es »dort oben« nicht sehr warm ist. Und doch ist alles uns nah – der Lichterhimmel am Weltentannenbaum, in dem sich die Augen lauter nächster Seelen spiegeln.

 


Auf die Empfindung von Vertrautheit, Nähe, Harmonie hat sich lange Zeit auch das Denken der Menschen gegründet, wenn aus ihm die Anschauung des Sternenhimmels sprach. Aristoteles lässt den Vorsokratiker Anaxagoras auf die existenzielle Frage, warum er das Geborensein dem Nichtgeborensein vorziehe, antworten: »Weil ich den Himmel, die Sterne, den Mond und die Sonne und die ganze Ordnung im Weltall betrachten kann.« Diese Betrachtung trägt den Namen der »Anschauung«, der »Theoria« – Sterngucker sind in diesem Sinn die »Theoretiker« schlechthin. Die Astronomie ist die philosophischste aller Naturwissenschaften. Und die Philosophie findet ihre eigentliche Berufung in der Astronomie.

 


Der Kosmos, in den beide blicken, verbindet Ordnung mit Schönheit. Nach Aristoteles’ Lehrschrift Über den Himmel entsprechen die gleichförmigen Bewegungen der Fixsterne der ewigen Kreisbewegung des göttlichen Körpers, während im Reich der Planeten die ungleichförmige Bewegung herrscht. Auch die Revolution des Kopernikus, die die narzisstische Vorstellung von der Erde als Mittelpunkt zerstört, nährt sich aus dem Gefühl der Harmonie, ja einer noch gesteigerten Beständigkeit und Zuverlässigkeit. Von der Erde, die nur scheinbar ruht und sich in Wahrheit bewegt, richtet sich der astronomische Blick auf einen ganzen Fixsternhimmel, der sich nur scheinbar bewegt und in Wahrheit ruht.

 


Galileo Galilei überbringt in seiner gleichnamigen astronomischen Frühschrift eine Sternenbotschaft, die dank des von ihm erfundenen Fernrohrs »große und höchst staunenswerte Erscheinungen offenbart und jedem, besonders aber den Philosophen und Astronomen, zum Beschauen darbietet«. So zeigt er, dass die scheinbaren Nebelwolken der Milchstraße in Wahrheit Haufen von vielen kleinen Sternen sind. Und wenn Sterne teleskopisch nicht in demselben Verhältnis vergrößert werden wie die übrigen Gegenstände, so deswegen, weil sie schon mit bloßem Auge gesehen von einem Glanz umstrahlt sind, der sie besonders groß erscheinen lässt. Das ist die Entdeckung der Galileischen Unschärferelation.

 


Schließlich Immanuel Kant, der große Zertrümmerer alt und lieb gewordener Illusionen von Wahrheit und Schein. Wenn er andächtig wird, wie zum grandiosen Beschluss seiner Kritik der praktischen Vernunft, dann erfüllen »zwei Dinge« sein Gemüt »mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir«. Die Anschauung des Himmels »fängt von dem Platze an, den ich in der äußeren Sinnenwelt einnehme, und erweitert die Verknüpfung, darin ich stehe, ins unabsehlich Große mit Welten über Welten und Systemen von Systemen, überdem noch in grenzenlose Zeiten ihrer periodischen Bewegung, deren Anfang und Fortdauer«.


Der Blick nach oben reicht Millionen Jahre zurück [....]

 

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Ludger Lütkehaus, geboren am 17. Dezember 1943 in Cloppenburg, ist ein deutscher Philosoph und Literaturwissenschaftler.


Lütkehaus − viertes Kind des Angestellten Eduard Lütkehaus und seiner Ehefrau Ida Lütkehaus − besuchte von 1950 bis 1954 die Volksschule Cloppenburg und von 1954 bis 1963 den altsprachlichen Zweig des Clemens-August-Gymnasiums Cloppenburg. Sein anschließendes Studium der Germanistik, Philosophie, Pädagogik und Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg beendete er 1968 als M.A. Mit seiner Dissertation über Friedrich Hebbel wurde er 1976 an der Universität Freiburg bei Hans Peter Herrmann zum Dr. phil. promoviert. Lütkehaus habilitierte sich in Neuerer Germanistik an der Universität Siegen bei Helmut Kreuzer mit einer weiteren Arbeit über Hebbel und lehrte in den 1980er Jahren an der Universität Siegen sowie an der Emory University in Atlanta. An der Universität Freiburg lehrt Lütkehaus als Honorarprofessor Neuere deutsche Literaturwissenschaft.

 

 

 

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